Applikationsscreening deckt mehr als Sicherheitslücken auf

Warum Applikationsscreening mehr aufdeckt als Sicherheitslücken

Ein Applikationsscreening führt regelmäßig zu folgender Reaktion, nämlich IT-Verantwortliche sitzen vor den Ergebnissen und sagen: „Okay, das hätte ich nicht erwartet.“

Ihnen war zwar bewusst, dass da irgendwo ungenutzte Software liegt, dass Fachbereiche eigene Tools nutzen und dass Updates fehlen, aber der Unterschied zwischen „Ja, wir haben wahrscheinlich ein paar überflüssige Tools“ und dem, was die Daten zeigen, ist gewaltig.

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Was ein Applikationsscreening aufdeckt

Ein umfassendes Applikationsscreening analysiert systematisch alle installierten Anwendungen auf den Clientsystemen eines Unternehmens.

Das Ziel ist es, eine vollständige Transparenz über die tatsächliche Softwarelandschaft schaffen.

In der Praxis wird nicht nur erfasst, welche Anwendungen installiert sind, sondern auch deren Versionen, Nutzungshäufigkeit, Verwaltbarkeit durch vorhandene Softwaremanagement-Systeme und vor allem bekannte Sicherheitslücken.

Die Ergebnisse sind oft ernüchternd, denn in den meisten Unternehmen existieren zahlreiche Fachbereichslösungen, Schatten-IT und mehrfach vorhandene Tools mit ähnlicher Funktion. Lizenzkosten laufen für Anwendungen, die kaum oder gar nicht genutzt werden.

Ein großes Problem sind hier aber auch die Sicherheits- und Compliance-Risiken, die erst durch diese Transparenz deutlich werden.

Fehlende Updates, veraltete Softwareversionen, lokale Installationen ohne zentrale Verwaltung, Cloud-Dienste außerhalb der Governance. Im Jahr 2024 wurden allein 768 CVEs als aktiv ausgenutzt gemeldet.

Das ist ein Anstieg von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Warum Unternehmen nicht auf derartige Screenings verzichten können

Die Frage ist nicht, ob du ein Applikationsscreening brauchst. Die Frage ist, ob du dir leisten kannst, keins zu haben.

  1. Sicherheitslücken schlafen nicht. Durchschnittlich werden täglich 108 neue CVEs veröffentlicht. Ohne systematische Erfassung weißt du nicht, welche davon dein Unternehmen betreffen.
  2. Compliance-Anforderungen verschärfen sich kontinuierlich. DSGVO, NIS2, branchenspezifische Regularien. Alle fordern Nachweise über die Sicherheit deiner IT-Systeme.
  3. Wirtschaftliche Aspekte dürfen nicht vernachlässigt werden. Laut Studien gehören 10 bis 50 Prozent einer normalen IT-Systemlandschaft zu Schatten-IT. Das bedeutet, ungeplante Kosten, redundante Lizenzen, ineffiziente Prozesse.
  4. Operative Handlungsfähigkeit aufrecht erhalten. Du kannst nur steuern, was du kennst. Ohne vollständige Transparenz über deine Anwendungslandschaft bleibst du reaktiv statt proaktiv.

Ein Applikationsscreening ist der erste Schritt von „Wir vermuten“ zu „Wir wissen“. Von Bauchgefühl zu belastbaren Daten. Von Risiko zu Kontrolle.

Strukturelle Überlastung führt zur Ineffizienz

Nach einem Applikationsscreening ist die Erkenntnis, dass IT-Teams inneffizient arbeiten, hart. Das System, in dem sie arbeiten, ist strukturell überlastet.

  • Doppelte Workflows.
  • Redundante Tools.
  • Widersprüchliche Zuständigkeiten.

Systeme pflegen dieselben Daten in unterschiedlichen Formaten und Automatisierung fehlt, weil Abhängigkeiten nie vollständig dokumentiert wurden.

Wenn die Daten zeigen, dass nicht die Menschen, sondern die Strukturen das Problem sind, können Veränderungen in Angriff genommen werden.

CVSS bewertet Schwachstellen, nicht Risiken

Bei einem mittelständischen Fertigungsunternehmen fanden wir eine Schwachstelle mit CVSS 9.8 in einem veralteten Druckertreiberpaket.

Theoretisch ist das kritisch, auch wenn es nur auf drei isolierten Testsystemen ohne Internetzugang vorhanden war.

Parallel dazu gab es ein veraltetes Browser-Plugin mit CVSS 7.5, installiert auf über 60 produktiven Clients. Genutzt von Mitarbeitenden im Einkauf, mit direkter Verbindung zu Lieferantenportalen.

Die Priorisierung war eindeutig. Nicht die theoretische Kritikalität entschied, sondern die Exposition und betriebliche Relevanz.

Ein CVSS-Score weiß nichts über dein Unternehmen.

Er weiß nicht, auf welchem System die Lücke liegt, wer es nutzt oder welche Daten dort verarbeitet werden.

Mit CVSS patchst du nach Tabellenwert. Mit kontextbasierter Bewertung patchst du nach Wirkung.

Von der Akutmaßnahme zur nachhaltigen Governance

Wenn eine kritische Schwachstelle auftaucht, gilt die Regel, dass Sicherheitsrisiken Priorität vor Strukturarbeit haben.

Jedoch sollten sie nie isoliert behandelt werden, sondern folgende Maßnahmen sind hier gefordert. Sofortige Bewertung der betroffenen Systeme, temporäre Maßnahmen wie Patch, ggf. Deaktivierung oder Netzwerksegmentierung. Nicht zuletzt solle eine Dokumentation im Screening-Register erfolgen.

Es stellt sich die Frage, warum blieb diese Schwachstelle so lange unentdeckt?

Gab es keinen zentralen Patchprozess? Keine Tool-Verantwortung? Liegt das Problem in der Technik oder in der Governance?

Sicherheitslücken sind selten rein technische Defekte. Sie sind Symptome fehlender Transparenz und fehlender Prozesshoheit.

Aufräumen ist ein Projekt aber sauber bleiben ist ein Prozess

Ein nachhaltiges System braucht drei Dinge.

  1. Kontinuierliche Datenerfassung statt punktueller Inventur. Das Screening wird zur laufenden Sensorik im IT-Betrieb. Automatisierte Discovery-Mechanismen, API-basierte Integrationen in CMDB, Endpoint-Management und Vulnerability-Scanner. Jede Veränderung wird automatisch erfasst und bewertet.
  2. Governance als gelebter Prozess, nicht als Regelwerk. Wer genehmigt neue Tools? Wer bewertet Sicherheitsrisiken? Wer entscheidet über Stilllegungen? Diese Fragen gehören in ein etabliertes Change- oder ESM-Verfahren.
  3. Kulturelle Verankerung von Verantwortung. Kein Tool verhindert Schatten-IT, wenn Fachbereiche glauben, dass sie „nur mal schnell was testen“.

Jede Anwendung ist Teil der Gesamtarchitektur. Transparenz bedeutet nicht Kontrolle, sondern Sicherheit und Effizienz für alle.

Sichtbarkeit ist das Gebot der Stunde

Komplexität verschwindet nicht, wenn man sie ignoriert.

Aber sie wird beherrschbar, wenn man sie sichtbar macht.

Der entscheidende Unterschied zwischen Unternehmen, die an ihrer Komplexität ersticken, und denen, die daran wachsen, ist Haltung zu dieser Erkenntnis.

Während die einen Transparenz als Bedrohung empfinden, sehen die anderen dies als Chance für Gestaltung.

Die Bereitschaft hinzusehen, wenn die Ergebnisse unbequem sind, ist eine Basis für Verbesserung.

Wenn sichtbar wird, wo Strukturen Stabilität bringen und an welchen Stellen sie brechen, kann gezielt vereinfacht, automatisiert und Verantwortung neu geordnet werden.

Transparenz ist der erste Schritt, Veränderungen einzuleiten. Alles Weitere folgt daraus.

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